Heimatortsgemeinschaft Agnetheln

Harbachtal Museum

Das Agnethler Harbachtalmuseum wurde 1958 auf Betreiben von Erhard Andreee gegründet, der den ersten Bestand des Museums zusammentrug und auch sein erster Leiter war. Hinzu kamen später u.a. zahlreiche Gegenstände aus den reichhaltigen archäologischen Funden, die in dieser Gegend gemacht wurden, sowie Gegenstände aus dem Besitz der ehemals mehrheitlich siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung Agnetheln. Seit 1969 befindet sich das Museum am jetzigen Standort, in der Mittelgasse (Str. 1 Decembrie)Nr. 29. Die Biedermeier Elemente des Gebäudes, wie Rosetten, Girlanden und Rautenmotive weisen auf eine Bauzeit um 1830/1840 hin. In den drei Haupt-Ausstellungsräumen wird die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Agnethelns und des Harbachtals von der Frühzeit bis heute veranschaulicht. Archäologische Funde, insbesondere Steinwerkzeuge und Keramik aus dem Mittel- und Jungpalälthikum, belegen die frühe Existenz von Menschen in dieser Gegend. Die Fundstücke stammen aus der Gegend von Cris (Kreisch), Turdas, Petresti, Casolt (Kastenholz), Hosman (Holzmengen), Vurpar (Burgberg), Marpod, Vard (Werd), Agnita (Agnetheln), Pelisor (Magarei), Apos (Abtsdorf), Stejeris (Probstdorf), Iacobeni (Jakobsdorf), Benesti (Bägendorf), Ilimbav (Eulenbach), Ruja (Roseln) und Merghindeal (Mergeln). Aus der Bronzezeit wurden an mehreren Stellen des Harbachtals Keramik und Kulturen Cotofeni und Wietenberg-Schäßburg sowie Werkzeug aus Kupfer und Bronze gefunden, so in Casolt (Kastenholz), Cornatel (Harbachsdorf), Hosman (Holzmengen), Marpod, Altana (Alzen), Barghis (Bürgisch), Agnita (Agnetheln) und Merghindeal (Mergeln). Die Eiszeit (Hallstattzeit) ist durch Keramik aus Casolt (Kastenholz) und Agnita (Agnetheln) belegt. Tongefäße und Scherben aus der Dakerzeit, eine dakische Körnermühle, Waffen, Reste einer Feuerstelle wurden in Vard (Werd), Veseud (Wassid), Benesti (Bägendorf), Agnita (Agnetheln), Rosia (Rothenberg), Hosman (Holzmengen) und Ghijasa de Jos (Untergesäß) entdeckt. Diese Funde belegen die Siedlungskultur der bodenständigen Bevölkerung. Die dako-romanische Epoche wird durch Mosaike, eine romanische Bronzefibel, romanische Münzen, einen römischen Ziegelstein mit dem Stempel der 13. Zwillingslegion und vier Gefäßen belegt. Neben den Zeugnissen der frühen Zivilisation in diesem Gebiet sind im ersten Raum auch der Schädel eines Rhinozeros und der Backenzahn eines Mammuts ausgestellt. Feinkeramik aus dem 4.-5. und 7.-9. Jahrhunderts beenden die “Reise” durch die frühe Geschichte des Harbachtals, aber nicht bevor man auf einer Fotografie die berühmten Beigaben eines – wie angenommen wird – christlichen Grabes aus dem 4. Jahrhundert bewundert hat. Die mittelalterliche Geschichte Agnethlns wurde von der Entwicklung des Handwerks und der Zünfte der Agnethler Sachsen geprägt. Die Exponate aus dieser Epoche bilden den Kernbestand des Museums und veranschauliche die nicht unbedeutende Rolle, die Agnetheln im sozial-ökonomischen Leben Siebenbürgens jener Zeit spielte. Zu den repräsentativsten Ausstellungsstücken der frühen Neuzeit zählen eine Sammlung von Siegeln und Stempeln, Zunftladen, Nachbarschaftszeichen, Statuten, Werkzeug zur Bearbeitung des Haunfs, der Baumwolle und der Wolle, ein Buch mit Viehbrandzeichen, Messinstrumente. Unter den datierten Exponaten befindet sich eine Spindel (1734), eine Hanfbreche (1786), ein Zinnkrug der Tischismenbruderschaft (1805), Zunftzeichen von 1718m 1882, 1890, 1902, Lampen aus dem 18. Jahrhundert. Schilde, Helme (16. Jh.), Säbel, landwirtschaftliche Geräte, welche auch als Waffen benutzt werden konnten, verschiedene Schusswaffen vermitteln den Besuchern einen Eindruck von den kriegerischen Auseinandersetzungen und den Verteidigungsmethoden der Harbachtalbewohner in historischer Zeit. An große historische Persönlichkeiten, die auch eine Rolle in der Agnethler Geschichtsschreibungen spielen, erinnern die Kopien einer Urkunden. (Z. B. ein von Mihai Viteazul erlassenes Schreiben oder ein von Johann Hunaydi (Inacu de Hunedoara) verfasster Brief, in welchem er den Vertretern der sieben Stühle die Bewegungen der Türken mitteilt, usw.). Weiterhin sind Fotos von Persönlichkeiten und Fotokopien von Dokumenten ausgestellt, welche sich auf die Verinigung der rumänischen Fürstentümer, auf den Unabhängigkeitskrieg, die Revolution von 1848, die Gründung des rumänischen Kulturvereins ASTRA und die Vollendung des rumänischen Nationalstaats beziehen – historische Ereignisse, die mit den Namen von Avram Ianu, Nicolae Balcescu, Al. I. Cuza, August Treboniu Laurian (ein Gründervater der rumänischen Akademie), George Baritiu, Iacob Bologa, Konrad Schmidt (Agnetheln), Ioan Ratiu u.a. verbunden sind. Ein Ehrenplatz in der Reihe der bedeutenden rumänischen Geschlechter, die das Harbachtal hervorgebracht hat, gebührt der Familie Bologa aus Marpod. Neben Iacob Bologa, dem Gründer und Vorsitzenden der ASTRA (1875-1877), ist besonders Valeriu Bologa hervorzuheben, der Autor einer Arbeit über die von den siebenbürgischen Rumänen erbrachte Hilfeleistung zugunsten der Verletzten des Unabhängigkeitskriegs (Ajutorul românilor ardeleni pentru razboiului independentei, 1941). Dem Museum ist eine dokumentarische Bibliothek mit etwa 12 000 Bühern und Zeitschriften angegliedert.  In den Vitrinen sind einige Kostbarkeiten ausgestellt, wie zum Beispiel: “Magazin istoric pentru Dacia”, Band I, 1845, Bukarest, Redaktion A. T. Laurian; “Magazin istoric pentru Dacia”, Band VII, 1851, Wien, A.T. Laurian; “Istoria românilor…” (Die Geschichte der Rumänen), 1873, Bukarest, A.T. Laurian; Der vierte Raum ist den Sonderausstellungen vorbehalten. Hier werden je nah Thematik ethnographische Gegenstände, Gemälde, Einrichtungsgegenstände, Fotomontagen gezeigt. Derzeit ist die Sonderausstellung dem Agnethler Urzelnbrauch gewidmet. Der Bestand des Museums umfasst rund 5500 Gegenstände: 563 aus dem Bereich Geschichte und Archäologie, 469 gehören zur dekorativen Kunst, die Münzsammlung umfasst etwa 1000 Einheiten, 2000 Fotos die Bildersammlung, 1400 Gegenstände rumänischen und sächsischen Ursprungs die ethnologische Sammlung. Dazu kommen 20 Zunfttruhen, zwei Zunftfahnen, 150 Werke des Agnethler Malers Michael Barner, 20 Stiche des Hermannstädtler Malers Hans Hermann.

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